Von Wolfgang Degen
Zwanzig Seiten, und das ist nur ein Auszug, dazu viele Schaubilder und jede Menge Zahlen - und eine beherrschende Botschaft: „Unsere Bürger leben in einer sicheren Stadt“, kommentiert Karlheinz Schaffer, Leiter der Kriminaldirektion, in der Summe die Kriminalstatistik 2009.
Entgegen dem Landestrend mit einem leichten Rückgang erfasster Straftaten verzeichnet die Landeshauptstadt einen Anstieg um 435 Fälle auf nunmehr 25.873 registrierte Straftaten. Das ist in etwa der Schnitt der vergangenen Jahre. „Uns ist das zu viel“, unterstreicht Schaffer. Mehr Freude bereitet ihm eine andere Zahl, die er mit dem Zusatz „Rekord“ hervorhebt: Die rechnerische durchschnittliche Aufklärungsquote liegt bei 53,7 Prozent. Wieder zugelegt.
Unschöner Trend. Gewaltbereitschaft hält an
Ein unschöner Trend hält an, die Zahl der erfassten Körperverletzungen ist um weitere 280 Fälle auf nunmehr 2.622 gestiegen. Weil Tatverdächtiger und Opfer, beides meist Jüngere, sich häufig kennen, ist die Aufklärungsquote bei diesem Delikt mit fast 90 Prozent hoch. Völlig unbekannt indes waren sich Täter und Opfer bei einem Vorfall, der sich am 14. Juli nachts am Bahnhofsvorplatz abgespielt hatte. Grundlos malträtierte ein junger Mann sein Opfer, das durch einen gezielten Tritt gegen den Kopf schwer verletzt wurde. Überführt wurde der brutale Schläger, weil er aus Wut sein Handy auf den Boden geschmissen hatte. Die SIM-Karte nahm er zwar mit, in einer Puzzlearbeit konnten Experten beim Landeskriminalamt aus den Trümmerteilchen Daten auslesen. Viele der Gewaltattacken indes haben mit Gruppen zu tun, zu Beginn des Jahres hatten sich Fälle in der Innenstadt gehäuft. Mit einem starken Kontrolldruck dämmte die Polizei die Fälle ein.
Diebstahl macht, wie immer, die Masse der Straftaten aus, diesmal summieren sich die erfassten Fälle auf einen Anteil von 57 Prozent an der registrierten Gesamtkriminalität. 11.412 Fälle, mit einer Aufklärungsquote von 29,8 Prozent, gegenüber 11.207 mit 31,1 Prozent Aufklärung im Jahr zuvor.
Wohnungseinbrüche wurden 71 Fälle weniger angezeigt, in der Statistik stehen 707 Fälle. Den Rückgang schreibt Schaffer dem Umstand zu, dass 2009 weniger durchreisende Einbrecherbanden in Wiesbaden aktiv waren. Bezahlt mache sich aus Sicht der Polizei auch das beharrliche Werben für mehr Prävention, die Eigenverantwortung von Hausbesitzern oder Mietern.
Zahl der Autoaufbrüche gewaltig gestiegen
Weniger Gehör finden die Präventions-Appelle offenbar bei Autofahrern, gewaltig angestiegen ist 2009 die Zahl der Autoaufbrüche: Von 1.599 auf 1.915, und das auch noch bei einer wahrlich ernüchternden Aufklärungsquote – gerade mal 10,5 Prozent. Hauptsächlich seien lokale Täter am Werk, und denen spielt in die Hände, dass Autofahrer sorglos mit Wertsachen umgehen, die im Auto oft wie auf einem Präsentierteller dargeboten werden.
Raubstraftaten wirken sich neben Körperverletzung und Einbruch auf das Sicherheitsgefühl stark aus: Für das Stadtgebiet gab es einen leichten Rückgang um zehn Fälle auf 290. Ein starker Rückgang beim Handtaschenraub von 54 auf 29 angezeigte Fälle, im gleichen Maß stiegen jedoch sonstige Raubüberfälle auf Straßen oder Plätzen. Wie überhaupt die Straßenkriminalität, meist jüngerer Verdächtiger, mit 627 Fällen einen Höchststand erreicht hat.

