Von Angelika Heyer
KRIMINALITÄT Diebstahl und Sachbeschädigungen nehmen zu/Aufklärungsquote steigt/Vorbeugung bei Jugendlichen
MAIN-TAUNUS. "Prävention spielt bei uns eine entscheidende Rolle": Darin sind sich Landrat Berthold Gall und Jürgen Moog, Leiter der Polizeidirektion Main-Taunus, einig. Das betrifft sowohl die Verhinderung von Wohnungseinbrüchen als auch die Bemühungen, Jugendliche von einem Weg in die Kriminalität abzubringen. Dass sowohl die Eigentumsdelikte als auch die Straffälligkeit Heranwachsender besonderes Augenmerk verdienen, erläuterten Moog und Gall anhand der aktuellen Kriminalstatistik 2009.
Positiv hat sich die Aufklärungsquote entwickelt. Im vergangenen Jahr konnte die Polizei 56 Prozent aller Delikte aufklären - einen so hohen Anteil wie nie zuvor. Allerdings stieg auch die Zahl der Delikte um 13,5 Prozent auf insgesamt 12399 Straftaten. Auch wenn diese Zahl exakt im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liege, "ist das für uns nicht akzeptabel", erklärte Moog. Zugenommen haben Diebstahl, Vermögens- und Fälschungsdelikte und Sachbeschädigungen. Trotzdem liege der Main-Taunus-Kreis bei der so genannten Häufigkeitszahl (Straftaten pro 100000 Einwohner) mit dem Wert 5485 deutlich unter dem hessischen Durchschnitt (6711).
Überdurchschnittlich hoch ist aber die Zahl der Diebstähle. Der Grund: In dem wohlhabenden Kreis gibt es viel zu holen, und die Verkehrsanbindungen (und damit Fluchtmöglichkeiten) sind gut. Bei der Bekämpfung dieser Kriminalität konnte die Polizei immerhin erhebliche Erfolge erzielen. So wurden durch ihre Ermittlungen vier litauische Banden dingfest gemacht, die sich vorallem auf Autoaufbrüche konzentriert haben.
Gefährdete Häuser
Bei den Wohnungseinbrüchen (Anstieg um 104 auf 638 Fälle) machte sich unter anderem das Agieren südamerikanischer Banden im Rhein-Main-Gebiet bemerkbar. Da sie ihre Einsatzorte schnell wieder verlassen, sei ihnen schwer beizukommen, erläuterte Moog. Gerade beim Schutz der Wohnungen sieht der Leiter der Polizeidirektion die Vorbeugung als wesentlich an. Polizei und Präventionsräte hätten deshalb in allen Orten zu Informationsveranstaltungen eingeladen, um den Bürgern nahe zu bringen, wie sie ihre Häuser am besten sichern können. Seit dem Winter 2007/2008 sind außerdem Fußstreifen in besonders häufig betroffenen Wohngebieten unterwegs und halten nach einbruchsgefährdeten Häusern Ausschau. Per Handzettel im Briefkasten werden die Eigentümer zur Beratung eingeladen.
Ein anderes Problemfeld sei die große Zahl der von jungen Menschen begangenen Straftaten wie Sachbeschädigungen, Körperverletzung oder Ladendiebstahl. Jugendliche und junge Erwachsene wurden etwa drei Mal häufiger straffälliger als andere Altersgruppen. Dem vorzubeugen, sieht die Polizei als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an. Unter anderem sollten in den Kommunen verstärkt mobile Sozialarbeiter eingesetzt werden. Den Einsatz privater Sicherheitsdienste auf öffentlichen Plätzen findet Moog dagegen falsch.
"Frustrierend" ist für die Polizei der Umgang mit Intensivtätern. Von 73 im Main-Taunus-Kreis registrierten Intensivtätern wurde etwa ein Drittel aller Straftaten verübt - doch nur 19 von ihnen sitzen derzeit in Haft.
Unter den Kommunen erwies sich Eppstein mit einer Häufigkeitszahl von 2954 als positives Schlusslicht und damit die sicherste Stadt. In Hochheim lag die Häufigkeitszahl bei 4699, in Hofheim bei 5261 und in Flörsheim bei 5033 - alle unter Kreisniveau (5485). Den Spitzenplatz in der Kriminalitätsstatistik belegt Sulzbach (Häufigkeitszahl 12605), was wesentlich auf das Main-Taunus-Zentrum zurückzuführen ist.

