Wenn diese Seite nicht korrekt angezeigt wird
gehen Sie bitte zur Originalseite



Leitartikel: Zahlen mit Tücken | Meinung - Frankfurter Rundschau
kalaydo.de, Immobilien, Stellen, Auto, Kleinanzeigen, Tiere, Reisen

Leitartikel

Zahlen mit Tücken

Beinahe beliebig lässt sich die Statistik deuten: Die Gewaltkriminalität ist gesunken, behauptet die Polizei. Tatsächlich gab es mehr Delikte als 2008. Von Georg Leppert

Georg Leppert ist Lokalredakteur der Frankfurter Rundschau.
Georg Leppert ist Lokalredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR/Kraus

Wenige Stunden, nachdem Polizeipräsident Achim Thiel die Kriminalstatistik für das vergangene Jahr bekannt gegeben hat, sagt Sicherheitsdezernent Volker Stein einen ebenso einfachen wie wahren Satz: "Jede Straftat ist eine zu viel." Vermutlich ist diese Erkenntnis die einzige Aussage zur Statistik, die man nicht auch irgendwie anders deuten könnte, sollte oder müsste.

Sicherheit ist ein Politikum. Haben die Bürger Angst, neigen sie zu Panikreaktionen - auch an der Wahlurne. Es ist kein Zufall, dass rechtsextreme Parteien wie die NPD in Frankfurt ihre ersten großen Erfolge zu einer Zeit feierten, als die Kriminalitätsrate um einiges höher lag als heute. Daher sind Politiker und Polizeipräsidenten daran interessiert, ihre Stadt/ihr Bundesland als besonders sicher darzustellen. Zu diesem Zwecke wird aus einer negativen Entwicklung schon einmal eine positive Nachricht gestrickt.

Beispiel gefällig? Als einen der drei wichtigsten Schlüsse, die es aus der Kriminalstatistik zu ziehen gilt, nennt die Polizei einen erneuten Rückgang der Gewaltkriminalität. Tatsächlich aber gab es 2009 sogar 68 Delikte mehr als noch 2008. Was sich die Polizei tatsächlich auf die Fahnen schreibt: Der Anteil der Gewalttaten an der gesamten Kriminalität ist auf 2,9 Prozent gesunken. Das wiederum liegt daran, dass es insgesamt mehr Straftaten gab als 2008. Für diesen Umstand sollte sich die Polizei wahrlich nicht feiern lassen.

Frankfurt ist sicherlich nicht eine der sichersten Großstädte, wie Polizeipräsident Achim Thiel behauptet. Knapp 110000 Straftaten lassen sich nicht wegdiskutieren. Auch nicht mit dem richtigen Hinweis der Polizei, dass sich Frankfurt nur schwer mit anderen Städten vergleichen lässt. Tagsüber halten sich besonders viele Pendler in der Stadt auf, die Opfer von Straftaten werden können, aber nicht als Einwohner in die Statistik eingehen. Und dass jedes am Flughafen begangene Delikt als Frankfurter Straftat notiert wird, macht die Zahlen aus Sicht der Polizei auch nicht gerade erfreulicher.

Dennoch braucht es keine wie auch immer zu interpretierende Statistik, um festzustellen, dass ein nächtlicher Spaziergang durchs Bahnhofsviertel unangenehm werden kann und in den S-Bahnen nicht ohne Grund Wachleute sitzen. Frankfurt ist nicht so sicher wie Aachen, wie die Polizei vor einem Jahr behauptet hat. Das wäre auch absurd. Frankfurt rühmt sich selbst, eine Metropole zu sein. Und Aachen nun ja.

In ein paar Wochen, wenn der jährliche Vergleich der Kriminalitätsbelastung in Großstädten veröffentlicht wird, werden wieder T-Shirts mit der Aufschrift "Frankfurt - Hauptstadt des Verbrechens" auftauchen. Die Polizei sollte mit dieser Mode gelassener umgehen.

Bookmarks

FACEBOOK TWITTER DELICIOUS MYSPACE STUDIVZ GOOGLE YAHOO MSLIVE MISTERWONG DIGG WEBNEWS ONEVIEW
Autor: Georg Leppert
Datum: 26 | 1 | 2010
Kommentare: Kommentieren
Empfehlen: E-Mail
Leserbrief: Leserbrief
Artikel: Drucken
Weiterleiten:Soziale Netzwerke

Nachrichten aus der Region

Verkehrsmeldungen

Die Verkehrsnachrichten. Kompakt, deutschlandweit, aktuell.

Polizeimeldungen

Was ist passiert? Polizeimeldungen aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie Wiesbaden.