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05. Februar 2010  | Von Jens Etzelsberger

Kriminalstatistik im Main-Taunus-Kreis: Polizei aktiv, Verbrecher ebenfalls

Aufklärungsquote im Main-Taunus-Kreis auf neuem Höchststand - 13,5 Prozent mehr Verbrechen

HOFHEIM. 
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Ungetrübte Freude wollte sich bei Jürgen Moog, dem Leiter der Polizeidirektion Main-Taunus, nicht einstellen, als er in dieser Woche die Kriminalstatistik für das Jahr 2009 präsentierte. Mit 56 Prozent lag die Aufklärungsquote zwar so hoch wie nie (2008: 54,6 Prozent), aber auch die Zahl der angezeigten Delikte ist deutlich nach oben gegangen. 12 399 Straftaten wurden im vergangenen Jahr angezeigt.

,,Das ist für uns nicht akzeptabel", kommentierte Moog diese Entwicklung. Deutlich gestiegen sind im Kreis vor allen Diebstahlsdelikte (plus 604 Fälle), Betrug (plus 425 Fälle) und Sachbeschädigung (plus 225 Fälle). Die Polizei geht davon aus, dass Betrugsdelikte auch in den nächsten Jahren weitere Steigerungsraten erleben werden. Dies sei Folge des verstärkten Handels im Internet, an dem sich auch schwarze Schafe beteiligen.

Die Häufigkeitszahl, ein statistischer Wert, der die Zahl der angezeigten Delikte pro hunderttausend Einwohner abbildet, liegt im Main-Taunus-Kreis im Jahr 2009 bei 5485 (2008: 4845). Der Hessenschnitt für das Jahr 2009 lag bei 6711.

Während im Main-Taunus-Kreis also weniger Straftaten als im Landesdurchschnitt begangen werden, ist man den Diebstählen ganz weit vorne. Diese Deliktgruppe machte 2009 stolze 46,3 Prozent der Gesamtkriminalität aus. Im Hessenschnitt sind es nur 37,4 Prozent.
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Die Polizei führt dies einerseits auf die gut ausgebauten Verkehrswege und damit idealen Fluchtmöglichkeiten wie auch auf den relativen Reichtum vieler Main-Taunus-Bürger zurück. Das machte den Kreis auch für litauische Banden attraktiv, die in großem Stil Fahrzeuge und Teile gestohlen haben. Mitglieder von vier solcher Banden, denen die Polizei unter anderem mit Hilfe von Telefonüberwachung auf die Spur gekommen war, seien mittlerweile zu langen Haftstrafen verurteilt worden.

Solche Ermittlungserfolge lassen das Problem aber nicht verschwinden. ,,Es wächst nach", warnte Moog, dass verurteilte Verbrecher von den osteuropäischen Paten schnell ersetzt werden.

Bei den Wohnungseinbrüchen setzt sich das Bild der Gesamtbetrachtung fort. Einer deutlich höheren Aufklärungsquote (2008: 14 Prozent, 2009; 24,6 Prozent) steht auch eine deutliche Steigerung der Fallzahlen von 524 auf 638 gegenüber. Verantwortlich für diese Steigerung sei der Umstand, dass südamerikanische Einbrecherbanden in diesem Winter, entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit, nicht zurück in ihre Heimat geflogen sind. Werden Täter gefasst, kann meist nur noch minderwertige Beute sichergestellt werden. Gestohlenes Bargeld wird noch am selben Tag per Western Union ins Ausland transferiert, so Peter Öhm, Leiter der regionalen Kriminalinspektion.

Der Umstand, dass mehr als 40 Prozent der Einbrüche erfolglos abgebrochen wurden, zeige die Wichtigkeit technischer Sicherungsmaßnahmen, so Jürgen Moog. Entsprechende Aufklärungsveranstaltungen der Polizei finden allerdings ein geteiltes Echo. Im Liederbach interessierten sich rund 200 Menschen dafür, in Flörsheim nur sieben.

Körperverletzungsdelikte im Kreis sind um 90 Fälle (plus 10,7 Prozent) auf 934 gestiegen. Im Deliktfeld Raub und räuberische Erpressung gab es 2009 25 Fälle weniger (105) als im Vorjahr.

Die Analyse der Struktur der Tatverdächtigen zeigt eindeutig, dass meist Männer Straftaten begehen. Ihr Anteil lag 2009 bei 77 Prozent. Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren lag bei 26,9 Prozent, ihr Bevölkerungsanteil liegt aber nur bei 12,9 Prozent. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren sind 3,2 mal so oft auffällig, wie der Bevölkerungsdurchschnitt, Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren sogar 3,8 mal so oft.

Ausländer stellten im vergangenen Jahr 29,3 Prozent der Tatverdächtigen, ein Rückgang um 1,1 Prozentpunkte im Vergleich zu 2008. Die Polizei rechnet damit, dass dieser Anteil weiter sinkt. Gründe seien zum einen der nachlassende Zustrom von Asylbewerbern und Bürgerkriegsflüchtlingen und zum anderen die weitere Einbürgerung von Ausländern.

Für einen Großteil der angezeigten Kriminalität sind Mehrfachintensivtäter verantwortlich, von denen im Main-Taunus-Kreis derzeit 73 erfasst sind. Diese Mehrfachintensivtäter werden für mehr als 4200 Straftaten seit 2001 verantwortlich gemacht. Derzeit befinden sich 19 der Mehrfachintensivtäter in Haft.

Ein weiteres Problemfeld beschäftigt den Main-Taunus-Kreis (noch) nicht, wohl aber das Landeskriminalamt, das derzeit eine eigene Einsatzgruppe zu dem Thema plant, berichtete Peter Öhm. Es handele sich im Einbruchs- und Diebstahlskriminalität, die ihren Ursprung in einem Sinti- und Roma-Lager in der Region Straßburg/Colmar habe. Von dort aus würden vornehmlich Kinder auf Raubzüge geschickt. Das Problem habe sich entlang des Rheins Richtung Norden ausgebreitet.

Entlang der Mainschiene mit den Städten Hochheim, Flörsheim und Hattersheim hat die Kriminalität ebenfalls zugenommen. Verzeichnet würde im Jahr 2009 eine Zunahme um 8,9 Prozent (Hochheim), 5,3 Prozent (Flörsheim) und 9,5 Prozent (Hattersheim). Entlang der Mainschiene konzentriert sich aber auch die höchste Aufklärungsquote mit 61,3 Prozent (Hochheim), 64 Prozent (Flörsheim) und 64,9 Prozent (Hattersheim). Anders als im Kreis hat in Flörsheim der Anteil ausländischer Tatverdächtiger nicht ab, sondern zugenommen. Er lag 2009 bei 34,3 Prozent. Gestiegen sind die Fälle von Körperverletzung (plus 15,6 Prozent auf 89 Fälle), Fahrraddiebstahl (48, plus 33 Prozent) und Sachbeschädigungen ( 194, plus 42 Prozent).

Raubstraftaten (minus sieben Fälle), Wohnungseinbrüche (minus 19) und Autoaufbrüche (minus 32) sind in der Untermainstadt dagegen zurückgegangen.


 


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